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Andy Brauer

Juli 03, 2015

Der weibliche Fußballfan

Seit Jahren nun finden sich immer mehr Frauen im Stadion, erfreulicherweise, doch noch immer rätseln Forscher völlig zu Recht was das holde Geschlecht zum Fussball treibt. Immerhin ist dies doch ein rohes, auf Kampf und Krieg und Brutalität fußendes Spiel und diese Aspekte werden gemeinhin weniger mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht. Klar, wenn sich Frauen einer Brustvergrößerung unterziehen, dann versteht das jeder, wenn sie aber zum Fussball gehen und dort für Stimmung sorgen, dann fragen sich alle: Ist das normal? Ich will hier gar nicht über den Frauenfußball, das ist eine ganz eigene Geschichte, sondern vielmehr nach dem weiblichen Fan (der FanIn?) fragen. Genauso gut würde sich natürlich auch ein Beitrag über den männlichen Fan immer lohnen, aber das ist viel einfacher und deshalb für mich nicht interessant.

Faktor 1: Zeit

Wer sich mal ein paar Spiele oder wenigstens Ausschnitte von längst vergangenen Partien anschaut, der wird fast nur Männer im Stadion zu sehen bekommen. Das war noch bis weit in die 1990er Jahre so und hatte einen ganz simplen Hintergrund: Zeit. Da die Spiele oftmals am Wochenende stattfinden und fanden, hatten die Männer meistens auch frei, während die Arbeit im Haushalt für die Frau in diesen Zeiten bekanntlich keine Auszeit kannte. Heute aber verfügen unsere holden Damen über ganz andere zeitliche Einteilungen, die Männer helfen beim Wäschewaschen und so weiter und dda ist es auch klar, dass immer mehr Frauen sich für Sport und Spektakel interessieren. Vergessen wir nicht: Fußball ist ein Substitut für den Krieg, denn junge Männer sind nicht nur gefährlich, wollen also beschäftigt werden, sondern auch in der Lage eine (kampfbetonte) Show zu bieten. Heroismus und Kampf bis zum Letzten sind für beide Geschlechter faszinierend und wenn sich die Zeit bietet, geht man heute beiderlei Geschlechts eben ins Stadion.

Faktor 2: Ästhetik

Leider gibt es immer noch viele Länder, in denen die Frauen als Menschen zweiter Klasse gelten und ihnen die Männer höchstens Aufmerksamkeit schenken, wenn sie sich die Brüste vergrößern lassen! Abgesehen davon, dass das immer eine individuelle Entscheidung der Dame selbst sein sollte, ist diese Gängelei des weiblichen Geschlechts auch ein Grund, warum dort vielfach keine Frauen beim Sport zugegen sind. Die meist recht dummen, ungebildeten Männer an der Macht möchten keine Haarspitze Kontrolle abgeben und so finden sich dann selbstverständlich „Gottesworte“, die es den Frauen nicht gestatten, sich zu vergnügen. Die männliche Ästhetik ist dort zwar auf Propagandaplakaten willkommen, die Frau darf sich jedoch nur am noch so widerlichen, fetten, faulen Ehemann laben. Hier bei uns ist das ganz anders, zum Glück, und so ist es selbstverständlich ein erotisch ästhetisches Element, das die Frauen zu Fußballfans macht.

Faktor 3: Der Trend zur Geschlechtslosigkeit

Jüngst hat Superstar Miley Cyrus sich zur Bisexualität bekannt und damit sicher manchen engstirnigen Konservativen vor den Kopf gestoßen. Die Sängerin ist aber nur eine Art Avantgarde einer Entwicklung, die in immer mehr Bereichen beobachtet werden kann. Transsexuelle hat es schon immer gegeben und meistens wurde und wird in solchen Fällen dann auch der operative Ausweg und das Bekenntnis zu einer Seite gesucht. Miley jedoch zeigt auf, dass man sich heute vor allem seelisch wie geistig nicht zu entscheiden braucht, was eine Vielzahl an Optionen offenlässt. Niemand muss sich heute mehr in Beschreibungskäfig zwängen lassen und das bis dato Abnormale, im Übrigen auch eine Erfindung der Mehrheit zur Klassifizierung und Kontrolle der Menschen, wird zunehmend als selbstverständlich aufgenommen. Das zeigt sich letztlich und gerade auch im Stadion, das als Element der Popkultur immer den Zeitgeist ausdrückt und so sollten wir den weiblichen Fußballfan aus vollem Herzen willkommen heißen.