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Andy Brauer

Juli 11, 2015

Warum sich Leute liften lassen

LiftenLassen

Vokabeln wie Selbstoptimierung oder Neuro Enancement sind dieser Tage en vogue und sie bezeichnen dabei einen Trend, der auch das immer weiter verbreitete Liften mit einschließt. Viele Leute möchten gern mit Skalpell, Nadel und Faden dem Altern ein Schnippchen schlagen und nutzen dafür die Errungenschaften der kosmetischen Chirurgie. Dabei ist das Altern aber nur ein Grund für solche Eingriffe, denn eine Brustvergrößerung zum Beispiel oder auch das Entfernen des Leberflecks sind eher einer verbesserten Lebensqualität im Hier und Jetzt geschuldet.

Die Frage, warum Menschen sich liften lassen, beantwortet sich also quasi von selbst, doch wollten wir trotzdem mal genauer hinschauen.

Der ideale Körper?

Es ist ja kausal und evolutionär immer nachvollziehbar, dass der junge, frische, gesunde Körper lebenslang als Ideal gilt, auch wenn manche Leute das betont ablehnen und vielmehr das Alter als Hort der Weisheit und Erkenntnis preisen. Abgesehen davon, dass es sich dabei in der Regel um verkappte Eifersucht und Neid handelt, wird es wohl jemand verleugnen, dass die jungen Jahre ohne Falten und Wehwechen die besten im Leben sind! Das zu konservieren und möglichst lange wenigstens jung auszusehen ist die Motivation hinter dem Liften und die Eingriffe haben mittlerweile auch völlig zu Recht eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz.

Prominente machen es vor, Otto Normalbürger zieht nach und zugleich setzen immer mehr Menschen auch auf eine zusätzliche Verbesserung des Erscheinungsbild. Doch welchem Ideal folgen wir neben jenem der ewigen Jugend noch?

Harmonie und Wohlbefinden

Es ist ja kein Geheimnis, dass wir Menschen Symmetrie und wohlgeformte Strukturen lieben. Ich will hier gar nicht in die Tiefe gehen, aber hinter dem Willen, sich die Brüste vergrößern zu lassen, steht keinesfalls der bloße Liebesdienst dem Manne gegenüber, sondern zugleich auch der Wunsch nach einer besonders deutlichen Weiblichkeit! Wir sehnen uns nach körperlichem Wohlbefinden und die scheinbar idealen Formen laufen dabei nun mal auf Harmonie und möglichst wenige Brüche zu.

Klar, es gibt Kulturen und Ansichten, die preisen den Leberfleck auf der Oberlippe als gewisses Extra, doch handelt es sich dabei meistens um mit religiösen Spuren durchmischte Überzeugungen. Ich weiß nicht, aber wenn ich Asien Leute sehe, die aus solchen Flecken auch noch Haare sprießen lassen und diese in meinen Augen ungepflegte Erscheinung als Glückssymbol hinstellen, dann wünsche ich mir doch schon eher das westliche Ideal.

Klar, jeder hat das selbst in der Hand und während sich einige eben zur Brust – Op entschließen, lassen andere sogar die Iris der Augen verändern oder sich gleich ganz den Körper tätowieren. Das schließlich ist auch die Ironie der ganzen Geschichte: Liften ist lediglich das Bestreben, einem Ideal nachzueifern, das es in dieser Weise global und umfassend gar nicht gibt! Jeder, der sich an Haartransplantationen, gestrafften Oberschenkeln oder vergrößerten Brüsten hochzieht sollte bedenken: Wir Menschen sind probierende Wesen und so finde ich Liften eine tolle Sache, mit deren Hilfe jeder den eigenen Leib zu einem Kunstwerk machen kann!

Wie das Ergebnis dann auf die Mitmenschen wirkt, ist allerdings eine ganz andere Geschichte.

Juli 03, 2015

Der weibliche Fußballfan

Fussballstadion

Seit Jahren nun finden sich immer mehr Frauen im Stadion, erfreulicherweise, doch noch immer rätseln Forscher völlig zu Recht was das holde Geschlecht zum Fussball treibt. Immerhin ist dies doch ein rohes, auf Kampf und Krieg und Brutalität fußendes Spiel und diese Aspekte werden gemeinhin weniger mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht. Klar, wenn sich Frauen einer Brustvergrößerung unterziehen, dann versteht das jeder, wenn sie aber zum Fussball gehen und dort für Stimmung sorgen, dann fragen sich alle: Ist das normal? Ich will hier gar nicht über den Frauenfußball, das ist eine ganz eigene Geschichte, sondern vielmehr nach dem weiblichen Fan (der FanIn?) fragen. Genauso gut würde sich natürlich auch ein Beitrag über den männlichen Fan immer lohnen, aber das ist viel einfacher und deshalb für mich nicht interessant.

Faktor 1: Zeit

Wer sich mal ein paar Spiele oder wenigstens Ausschnitte von längst vergangenen Partien anschaut, der wird fast nur Männer im Stadion zu sehen bekommen. Das war noch bis weit in die 1990er Jahre so und hatte einen ganz simplen Hintergrund: Zeit. Da die Spiele oftmals am Wochenende stattfinden und fanden, hatten die Männer meistens auch frei, während die Arbeit im Haushalt für die Frau in diesen Zeiten bekanntlich keine Auszeit kannte. Heute aber verfügen unsere holden Damen über ganz andere zeitliche Einteilungen, die Männer helfen beim Wäschewaschen und so weiter und dda ist es auch klar, dass immer mehr Frauen sich für Sport und Spektakel interessieren. Vergessen wir nicht: Fußball ist ein Substitut für den Krieg, denn junge Männer sind nicht nur gefährlich, wollen also beschäftigt werden, sondern auch in der Lage eine (kampfbetonte) Show zu bieten. Heroismus und Kampf bis zum Letzten sind für beide Geschlechter faszinierend und wenn sich die Zeit bietet, geht man heute beiderlei Geschlechts eben ins Stadion.

Faktor 2: Ästhetik

Leider gibt es immer noch viele Länder, in denen die Frauen als Menschen zweiter Klasse gelten und ihnen die Männer höchstens Aufmerksamkeit schenken, wenn sie sich die Brüste vergrößern lassen! Abgesehen davon, dass das immer eine individuelle Entscheidung der Dame selbst sein sollte, ist diese Gängelei des weiblichen Geschlechts auch ein Grund, warum dort vielfach keine Frauen beim Sport zugegen sind. Die meist recht dummen, ungebildeten Männer an der Macht möchten keine Haarspitze Kontrolle abgeben und so finden sich dann selbstverständlich „Gottesworte“, die es den Frauen nicht gestatten, sich zu vergnügen. Die männliche Ästhetik ist dort zwar auf Propagandaplakaten willkommen, die Frau darf sich jedoch nur am noch so widerlichen, fetten, faulen Ehemann laben. Hier bei uns ist das ganz anders, zum Glück, und so ist es selbstverständlich ein erotisch ästhetisches Element, das die Frauen zu Fußballfans macht.

Faktor 3: Der Trend zur Geschlechtslosigkeit

Jüngst hat Superstar Miley Cyrus sich zur Bisexualität bekannt und damit sicher manchen engstirnigen Konservativen vor den Kopf gestoßen. Die Sängerin ist aber nur eine Art Avantgarde einer Entwicklung, die in immer mehr Bereichen beobachtet werden kann. Transsexuelle hat es schon immer gegeben und meistens wurde und wird in solchen Fällen dann auch der operative Ausweg und das Bekenntnis zu einer Seite gesucht. Miley jedoch zeigt auf, dass man sich heute vor allem seelisch wie geistig nicht zu entscheiden braucht, was eine Vielzahl an Optionen offenlässt. Niemand muss sich heute mehr in Beschreibungskäfig zwängen lassen und das bis dato Abnormale, im Übrigen auch eine Erfindung der Mehrheit zur Klassifizierung und Kontrolle der Menschen, wird zunehmend als selbstverständlich aufgenommen. Das zeigt sich letztlich und gerade auch im Stadion, das als Element der Popkultur immer den Zeitgeist ausdrückt und so sollten wir den weiblichen Fußballfan aus vollem Herzen willkommen heißen.